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Hail, Caesar!

Nach über einem Jahr in Halle an der schönen Saale habe ich durch Zufall bemerkt, dass ich ja nur einmal die Straße entlang gehen muss, um zu einem total schönen, kleinen Programmkino zu kommen. Bisher haben mich Programmkinos auch eher abgeschreckt. Daher waren sie auf meinem Kino-Radar auch unsichtbar und wurden mit einem schulterzuckenden „Meh“ abgetan. Aber als ambitionierter Kinogänger sind Programmkinos eigentlich das Beste, was einem passieren kann. Vor allem, wenn sie gleich um die Ecke sind.

Man braucht nicht immer den 700 Sitze-Saal, die riesen Leinwand und den Max-Boom-Sound. Eigentlich ist doch das Schöne am Kino vor allem das Gefühl, mit anderen Menschen, die ebenso an einem schönen Abend und einem guten Film interessiert sind, in einem überschaubaren Raum zu sitzen, recht nah an einer vollkommen ausreichend großen Leinwand, mit einem Glas Rotwein oder einer Lipz-Schorle in der Hand. Reserviert wird noch handschriftlich im Terminplaner, die Tickets erinnern an die Eintritts-Schnipsel früher im Freibad. Zwischen den Trailern ruft nicht der Mann mit dem Eis durch die Gänge, sondern die Besitzerin des Kinos nach dem Kunden, der die warme Brezel bestellt hatte. Und es kommen auch keine ewig langen Werbeblöcke, sondern nur einige Trailer, die einem zeigen, dass Programmkino nicht immer pseudo-deepe, sich zu ernst nehmende Arthouse-Independent-Produktionen sein müssen. Sondern einfach nur ehrliches Kino. Klingt eigentlich ganz schön Hipster. Ist aber einfach ´ne feine Sache.

Lange Rede, kurzer Sinn. Zur Eröffnungsshow der Berlinale – die mir irgendwie sehr grotesk erschien (Anke Engelke denglischte da so vor sich hin – Witz und Charme oder Nervosität und Planlosigkeit?) – wurde als Eröffnungsfilm „Hail, Caesar!“ von den Cohen-Brüdern gezeigt. Schon im Trailer war ich vom riesigen Staraufgebaut recht angetan. Wenn ein Clooney, ein Tatum, ein Brolin, ein Fiennes, eine Johansson, eine Swinton und ein Hill zusammen in einer Satire des vergangenen Hollywoods aufeinander treffen, dann kann das nur spannend werden.

Natürlich stehen auch die Cohen-Brüder für Filme der besonderen Art. „True Grit“, „No Country for old Men“ oder „Burn after Reading“ sind nur einige der Werke, die den Zuschauer zwar manchmal nicht ganz da abholen, wo er wartet und auch eher sprachlos oder verwirrt in verschlungenen Handlungen zurücklassen, aber stets spannend und hochwertig unterhalten.

Zur Handlung kurz und knackig:

Der Boss der Hollywood-Filmfirma „Capitol Pictures“ Eddie Mannix hat kein leichtes Leben: Denn Tag und Nacht schlägt er sich mit den großen und kleinen Problemen herum, die sein Job für ihn bereithalten. Gestresst und stets mit dem Blick auf die Uhr hirscht er von einem Studio in das nächste, diskutiert mit Filmstars und versucht sich die Presse vom Leib zu halten. Richtig prekär wird es für ihn, als eines Tages der Star des Films „Hail, Caesar!“ kurz vor Dreh der großartigen Schlussszene verschwindet. Wie sich heraus stellt, wurde Baird Whitlock alias Clooney gekidnappt und soll erst gegen Lösegeld wieder freigelassen werden. Mannix muss diese Misere so schnell wie möglich lösen, denn Drehverzögerungen kosten Geld, gute Schauspieler sind scheinbar sehr rar und die Klatschpresse sitzt im auch noch im Nacken.

Und so, muss ich auch sagen, fühlte ich mich bei „Hail, Caesar!“ mehr als gut
unterhalten. Der Film kommt sehr kurzweilig daher. Das liegt unter anderem daran, dass es viele kleine Nebenhandlungen gibt, in welchen die großen Namen Hollywoods überaus bunte und facettenreiche Charaktere einnehmen und in ihrer kleinen Welt brillieren können. So überrascht eine zunächst anmutige Scarlett Johansson als Wasserballett-Star mit ihrer raubeinigen, forschen Art, die im kompletten Gegenteil zu ihrem eleganten und damenhaften Starlett-Erscheinen liegen. Ebenso amüsant und auflockernd wirken die kleinen Auftritte von Tilda Swinton als Journalisten-Zwillingspaar, welche man absolut nicht auseinander halten kann. Auch großartig anzusehen ist Alden Ehrenreich, der den Western-Star Hobie Doyle mimt. Mit seiner naiv-treuen Art verkörpert er witzig und charmant den Star des 50er Jahre Western-Kinos, der mit wenigen Worten und großen Stunts die Leinwände erobert.Beim Imagewechsel zum Dramafilm aber vollkommen versagt. Ralf Fiennes als bemühter Regisseur Laurence Laurentz beißt sich an dem jungen Schauspieler die Zähne aus und versucht angestrengt, ihm den einzigen Satz, der er sagen muss, in den Mund zu legen. Etwas zu kurz kommt meiner Ansicht nach Jonah Hill als „Person für alles“. War anscheinend nicht mehr genug Platz für ihn.

„Hail, Caesar!“ lebt von dieser Symbiose kleiner Handlungen, die alle angenehm oberflächlich beginnen und ohne großes Drama auslaufen. Hier steht keine schicksalsträchtige Misere im Vordergrund. Eher werden satrisch die typischen, kleinen Dinge angesprochen, die im Hollywood-Universum und zudem noch in der Zeit der 50er in der Kritik standen oder von außen eher missgünstig betrachtet wurden. Doch alles in einem Rahmen, der den Zuschauer stets auf einer zufriedenen, erheiternden Ebene hält, ohne ihm zu viel Drama zuzumuten.

Ich empfehle „Hail, Caesar!“ definitiv für einen schönen Filmabend, bei dem man viel lachen möchte und bekannte Schauspieler einmal außerhalb ihrer typischen Rollen sehen will.

eureanne

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3 Gedanken zu “Hail, Caesar!

    • Anne schreibt:

      Ja, ich fand ihn auch sehenswerter als beispielsweise „no country for old men“. Der hatte mich damals einfach nur total verwirrt ^^ Schon allein das Aufgebot der ganzen Schauspielikonen bei „Hail, Caesar!“ ist ein großer Pluspunkt!

      Gefällt 1 Person

  1. Liegeradler schreibt:

    Ich gucke Coen-Filme seit ihrem Erstling. Mein bisheriger Stinker in ihrem Gesamtwerk war bisher das überflüssige Remake von „Ladykillers“. Seit ich nun „Hail, Caesar!“ gesehen habe, weiß ich, dass die noch schlechter können…

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