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Netflix-Doku-Reihe: Making A Murderer

Die USA gelten als Land der unbegrenzten Möglichkeiten, machen mir aber schon zuweilen ein bisschen Angst – nicht nur wegen Trump, den Waffengesetzen und der Selbstbezogenheit im Kontext der Welt. Nein, auch das Rechtssystem ist nicht immer ganz koscher. Du kannst zwar gegen alles und jeden klagen und als Millionär das Gerichtsgebäude verlassen, aber genauso gut kannst du theoretisch im Handumdrehen alles verlieren. Freunde haben uns die Doku-Reihe Making A Murderer wärmstens empfohlen, also konnten wir uns nicht lange erwehren und haben einen Blick in die konfliktreiche Story geworfen.

Ein paar Worte zum InhalT

Steven Avery ist achtzehn Jahre lang wegen Vergewaltigung im Gefängnis, bevor eine DNA-Probe ihn entlastet. Doch seine Freiheit kann er nicht genießen, denn dann wird er wegen Mordes an Teresa Halbach angeklagt.

Was ich davon halte…

Die Serie ist definitiv nichts für schwache Nerven oder einen ausgeprägten Gerechtigkeitssinn, denn der ist hierbei auf Seiten der Behörden wenig bis gar nicht zu finden. Dem muss man sich bewusst sein, bevor man die Doku beginnt. Die Geschehnisse und Anschuldigungen sind schockierend, aber anstatt stichfester Polizeiarbeit und Beweisführung, präsentiert das Manitowoc County offen die Abneigung gegenüber der Avery Familie. Ihre Andersartigkeit kommt in der Gemeinde nicht gut an und so gewinnt man bereits im Rahmen des Prozesses um die Vergewaltigung den Eindruck, dass Großteils versucht wurde, jemand Unliebsamen wegzusperren. Erst Jahre später kam heraus, dass Beweise, die auf einen anderen Täter hindeuteten, willentlich vertuscht wurden.

In dem Mordfall erscheint es kaum anders. Nicht nur arbeiten die gleichen Behörden trotz Voreingenommenheit an dem Fall, nein, es gibt Hinweise darauf, dass Beweise platziert und Geständnisse erzwungen wurden, die Steven Avery belasten. Auch die Medien zeigen sich im Zuge dessen von ihrer sensationsgeilen Seite und verurteilen den Angeklagten schon vor dem eigentlichen Prozess. Da kommt zuweilen Wut auf beim Zugucken! So wie die Doku es darstellt, hatte Avery nie eine Chance, den Prozess überhaupt zu gewinnen und es erscheint zunehmend wie ein ab gekapertes Spiel. Unterfüttert wird das Archivmaterial von den Verhören und dem Prozess mit den privaten Telefonaten des Angeklagten und seiner Familie. Jede Episode widmet sich eine Stunde lang der Gerichtsverhandlung, bis die letzten Jahre der Gefängnisstrafe und Berufungsversuche im Schnelldurchlauf abgehandelt werden. Es gibt kein Happy End für Steven Avery.

Die Doku-Reihe hinterlässt einen fahlen Beigeschmack, denn leider bleibt die vollständige Aufklärung aus – Steven Avery sitzt gegenwärtig noch immer lebenslänglich im Gefängnis und hat seine Berufungsanträge verwirkt. Er beteuert weiterhin, unschuldig zu sein. Seine Familie ist sich sicher, dass er unschuldig ist.

Guilty or Not Guilty?

Irgendwie konnte ich das Ganze aber nicht loslassen – besonders wenn ich weiß, dass es sich um eine reale Geschichte handelt oder auf realen Ereignissen basiert, recherchiere ich gerne unabhängig von dem, was ich gesehen habe. Nur, damit ich besser abschließen kann. Außerdem wollte ich wissen, ob es schon neue Erkenntnisse gibt. Making A Murderer hat mich sehr aufgewühlt. Die Diskrepanz und Unsicherheit folgte auf dem Fuß – denn plötzlich stolperte ich über Artikel, die der Doku vorhalten, wichtige Beweise unter den Teppich gekehrt zu haben. Offenbar gab es doch noch mehr Dinge, die auf Steven Avery als Mörder hinweisen.

So soll Teresa Halbach zu ihrem Chef gesagt haben, dass Avery sie belästigt habe. Avery soll sie gestalkt und mit unterdrückter Nummer wiederholt angerufen haben. Avery soll sich explizit nach ihr erkundigt und sie angefordert haben, um Bilder für das Auto zu machen. Kurz danach verschwand sie.  Außerdem ist der Bericht über das Verhör mit Brandon Dassay über 20 Seiten lang – in der Doku werden aber nur ein paar Passagen verlesen. In späteren Teilen gibt Brandon wohl zu, sein Onkel Steven habe ihn des Öfteren unsäglich berührt und missbraucht. Auch das wurde mit keinem Wort erwähnt. Der Eindruck, es handelt  sich mit Making A Murderer wieder nur um eine einseitige Berichterstattung über den Fall, verhärtet sich. Ich würde also gerne sagen, ich bin mit Making A Murderer im Reinen und zuversichtlich, dass Steven Avery irgendwann freigelassen wird, aber irgendwie passt es hinten und vorne nicht zusammen. Nach der Doku war ich hingegen überzeugt, dass er unschuldig sei. Wahrscheinlich kann man das stundenlang diskutieren. Was stimmt denn nun? Werden wir das jemals erfahren? Fakt ist: Die Jury hat gewiss ein umfangreicheres Wissen besessen und auf schuldig plädiert. Allerdings wirkt man auch mit dieser Einschätzung nicht vollends zufrieden….

Mein Fazit

Ich empfinde Mitgefühl für die Familie von Steven Avery und hoffe, dass die Doku und die damit widergewonnene Aufmerksamkeit etwas bewegen, sodass sich ein letztes Mal mit dem umstrittenen Fall befasst wird. Die Möglichkeiten in Bezug auf DNA-Analysen sind heute ganz andere als noch vor neun Jahren. Ich will keineswegs Position beziehen, ob ich von der Schuld oder Unschuld Steven Averys überzeugt bin – dazu habe ich mich zu wenig mit den Tatsachen auseinandergesetzt, die die Doku nicht aufgezeigt hat. Gewiss ist das Ganze mit Vorsicht zu genießen, denn Netflix hat eine einseitige Berichterstattung abgesegnet, die den Fall hauptsächlich aus Perspektive der Avery Familie widergibt. Es darf nicht vergessen werden, dass Teresa Halbach definitiv ermordet und zerstückelt wurde. Diesbezüglich fand ich es krass, wie wenig Mitgefühl die Doku für die Familie des Opfers generiert. Im Grunde macht Making A Murderer stellvertretend das, was die Medienberichterstattung zu Zeiten der Ermittlungen und des Prozesses nicht tat: auf Seiten des Angeklagten sein, der bereits einmal achtzehn Jahre unschuldig im Gefängnis verbracht hat.

Habt ihr Making A Murderer gesehen?

eurelaura

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2 Gedanken zu “Netflix-Doku-Reihe: Making A Murderer

  1. Caro schreibt:

    Ich musste nach der Serie auch erst einmal recherchieren… Bin mir auch nicht sicher, was ich im Fall um Steven glauben soll – schuldig/unschuldig?! Keine Ahnung. Möchte ich auch nicht mutmaßen.

    Aber dass Brandon Dassay lebenslang sitzt kann ich wirklich nicht verstehen! Ich habe keinen Zweifel an seiner Unschuldigkeit. Die Ermittler haben nicht einen Beweis für seine Straftaten gefunden und trotzdem wird er schuldig gesprochen?! Laura, ich könnte einfach weinen. Wie kann einem Menschen nur so unrecht getan werden. Die Anklagepunkte wurden Steven gegenüber ja sogar fallen gelassen und trotzdem spricht die Jury Brandon schuldig….. Es ist nicht auszuhalten.

    Gefällt mir

    • Laura schreibt:

      Es war alles so krass! Das ging mir wirklich richtig nahe, das alles vorgeführt zu bekommen… Die Sache mit Brandon fand ich auch besonders furchtbar… Wie sie ihn die ganze Zeit beeinflusst haben! Und ihm die Antworten vorgegeben haben! Oder mir vorzustellen, dass man so viele Jahre unschuldig im Gefängnis verbringt. :(
      Es lässt mich irgendwie nicht los und ich hoffe – verdammt noch Mal! – dass das irgendwie noch aufgeklärt oder ggf. stichfest bewiesen wird. >.<

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