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Only Lovers Left Alive – Review

Als ich vor knapp zwei Jahren (wie doch die Zeit vergeht) in Prag einen Städtetrip veranstaltete, wollte es der Zufall, dass zur gleichen Zeit auch ein kleines Filmfestival nicht weit von unserem Hotel stattfand. Da ich es furchtbar interessant fand, dort mal ein Filmfestival zu besuchen, entschlossen wir uns, spontan Karten zu holen. Leider war aber schon alles ausverkauft, es gab nur noch Warteplätze für einige Filme, unter anderem für „Only Lovers Left Alive“ von Jim Jarmusch aus dem Jahr 2013.

Kurz den Inhalt überflogen: depressive Vampire, ewige Liebe, unkonventionelles Werk. Voll mein Ding, dachte ich und wir ließen uns auf die Warteliste eintragen. Wie es der Spirit eines Urlaubs aber so will, waren wir, als die Zeit ran war, so gar nicht mehr in der Stimmung das Hotelzimmer zu verlassen. Lange Rede kurzer Sinn. Seither steht dieser Film auf meiner persönlichen Must-Watch-Liste. Und ich war natürlich hocherfreut, als ich jenen in Netflix entdeckte. Endlich konnte ich diese Rechnung auch noch begleichen.

Jetzt, nachdem ich den Film gesehen habe, muss ich aber leider sagen, dass diese Vorfreude im Nachhinein eine kleine Verschwendung war. Denn der Film brachte zwar all das mit, was er versprach: Ein verranztes Vampirpaar und jede Menge düstere Gedanken und melancholische Stimmung, doch leider blieb es auch dabei.

Der Film nahm von Anfang bis Ende an keiner Stelle so richtig Fahrt auf, demnach hielt sich auch der Plot stark in Grenzen. Das bedeutet, alles, was tatsächlich passierte, war das Zusammenleben des Liebespaars Adam und Eve (was für ein Zufall, dass die so heißen…totally crazy). Das war’s. Kein wirklicher Spannungsbogen, keine Klimax, nichts. Ich freue mich natürlich immer, wenn Filme es schaffen, ohne typische Spannungsbögen und Handlungsverläufe auszukommen und trotzdem eine spannende Geschichte zu erzählen. Doch leider lief dieser Versuch (ich unterstelle mal, dass es da einen solch Versuch gab seitens des Autors/Regisseurs) komplett gegen den Baum.

Einige Auflockerungen gab der kurze Besuch von Eves Schwester Ava, eine junge Britin, die anscheinend gern mal über die Stränge schlägt und einen überaus ausgelassenen Lebensstil pflegt. Dieser verstößt an einigen Stellen gegen die schon recht angepasste Lebensweise von Adam und Eve (Die sich, wie das ein guter Vampir eben tut, Blut aus dem Krankenhaus beschaffen). Nachdem Ava dem Paar aber mal wieder zu viel Geduld abverlangt, wird sie aus dem Haus geworfen und mit ihr die einzige etwas aufregendere Viertelstunde des Films.

Soziale Kontakte haben beide, vor allem Adam, nur in ganz geringem Maße.  Ist klar, wo soll da auch der Spaß herkommen? Wenn man dann auch nur nachts raus kann und das einzige Vergnügen darauf beruht, mit dem Auto durch eine tote Gegend zu fahren – tja, da würde ich auch depressive Gedanken bekommen.

Der Film wies daneben aber auch noch andere konkret filmische Schwächen auf. Viele Sachen – die durchaus spannend ausgearbeitet werden könnten – verlaufen im Nichts. Es wird nicht aufgeklärt, warum Blut manchmal verseucht ist. Man erfährt nicht, warum beide London meiden. Und vor allem wird nicht erklärt, warum alle Vampire total abgeranztes, verfilztes Haar haben. Ja, gut, man muss nicht immer alles erklären, wird der eine oder andere mit rollenden Augen bemerken wollen. Aber wenn dem Zuschauer so viele leckere Spannungshappen hingeworfen, aber ihm gleichermaßen auch schnell wieder vor der Nase weggeschlagen werden, dann ist das schon etwas enttäuschend. So können Tom Hiddelston und Tilda Swindon alias Adam und Eve, wie ich finde, auch nicht die Facetten ihres Charakters zeigen, die sie vielleicht durchaus inne haben.

Alles in allem wisst ihr worauf ich hinaus möchte. „Only Lovers Left Alive“ hat meiner Meinung nach sehr viel Potential verschenkt und vor allem die Chance nicht genutzt, das Vampirimage nach „Twilight“ und Konsorten mal wieder etwas aufzupolieren. Sehr, sehr Schade.

Falls ihr noch nicht vollends abgeschreckt seid – der Film ist durchaus anschaubar und er hat auch seine Momente. Das Setting und die Liebe zum Detail in der Ausstattung sind auch sehenswert. Doch leider kein Must-Watch.

 

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Ein Gedanke zu “Only Lovers Left Alive – Review

  1. franziska-t schreibt:

    Ich muss dazu sagen, dass ich den Film nicht mehr so genau im Kopf habe. Ich hab den Film damals im Kino gesehen und muss sagen, dass der Film gegen Ende tatsächlich narrativ immer schwächer wird, aber das Ende fand ich großartig und das hat mich dann auch über die Durststrecke hinweggetröstet. Vielleicht liegt’s auch einfach an Tilda Swindon und Tom Hiddleston, ich mag einfach englische Schauspieler. Denen verzeih ich vieles.

    Hier meine Review von damals: https://filmkompass.wordpress.com/2014/01/05/only-lovers-left-alive-omu-2013/

    Gefällt mir

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