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Kinoreview: Everest

Unter normalen Umstände würde ich mir einen Film wie „Everest“ eigentlich nicht anschauen. Weil ich eh eine Abneigung gegen Wandern habe? Und gegen klirrende Kälte? Sicherlich.

Allerdings war die Auswahl an englischen Filmen in einem polnischen Kino bei meinem letztwöchigen Krakau-Kurztrip nicht so enorm groß, sodass ich mich zwischen dem „Marsianer“, „Everest“ und „Sicario“ entscheiden musste. Da ich aber noch weniger Lust auf amerikanische Weltallaction noch auf amerikanische Kriegsaction hatte (wohlgemerkt: es war nachmittags um zwei und die wohl eh unpassendste Tageszeit für dunkle Kinoräume), erschien mir die weite, weiße Landschaft des Himalayas doch das Erträglichste.

Aber ich muss immer wieder betonen wie gut es doch ist, so wenig wie möglich über einen Film zu wissen, den man sich im Kino ansehen möchte. So bin ich vollkommen unvoreingenommen in die Geschichte des Expeditionsleiters Rob Hall, der alljährlich eine Reisegruppe an Amateur- und Profibergsteigern den Mount Everest hinauf begleitet, eingetaucht. Und gleich zu Anfang dieser Rezension muss ich sagen, dass es eine sehr gute Entscheidung war. Denn „Everest“ war einer der spannendsten und bewegendsten Filme, die ich seit langem gesehen habe. Umso schrecklicher, dass die Geschichte auf tatsächlichen Ereignissen aus dem Jahr 1996 basiert.

 

Nun zum Inhalt

Wir lernen einen gut gemischten Haufen an Bergsteigern kennen, welche den Berg der Berge aus unterschiedlichen persönlichen Gründen erklimmen möchten – zum einen der Familienvater Beck, der dem eintönigen Alltagsleben nur durch waghalsige Expeditionen entkommen kann, der Postbote Doug, der schon im Vorjahr am Erreichen des Gipfels gescheitert ist und nun um jeden Preis (der übrigens bei rund 25 Tausend US Dollar Teilnahmegebühr liegt – ja, Menschen zahlen tatsächlich Unsummen, um ihr Leben auf Spiel zu setzen) sein Ziel erreichen möchte sowie die Japanerin Yasuko, die mit dem Everest alle sieben großen Berggipfel bezwungen hat.

Gerade als absoluter Laie auf dem Gebiet des Extrembergsteigens war es gleich zu Beginn sehr interessant zu sehen, wie die Vorbereitungen auf solch eine extreme Expedition ablaufen. Da ist für einen normalen Menschen schon die Anreise zum Basis-Camp eine Mammutaufgabe.

Das Basis-Camp bildet für sämtliche Expeditionsgruppen aus der ganzen Welt den Start- und Zielpunkt dieser aufregenden Reise. Dort lernen wir einen weiteren Gruppenführer, Scott Fischer kennen, der eher den Surfertypen unter den Bergsteigern verkörpert. Wo Rob Hall sehr viel Wert auf einen sicheren und gut geplanten Aufstieg und damit die volle Kundenzufrieden legt, stehen für Fischer Leidenschaft und das pure Berggefühl ohne doppelten Boden im Mittelpunkt. Allerdings beschließen beide Gruppenführer sich aufgrund der Masse an Bergtouristen zusammenzuschließen und gemeinsam den Aufstieg zu wagen.

(Auch ein interessanter Aspekt, der im Film kurz aufgegriffen wird: der Massentourismus auf dem Mount Everest, der viele Profi-Bergsteiger davon abhält, den berühmtesten aller Berge zu erklimmen.)

Die vier-wöchige Vorbereitungsphase der Teilnehmer geht zu Ende und der eigentliche Aufstieg zum zweiten Camp und schließlich zum Gipfel beginnt. Rob Hall schafft es, dass fast all seine Kunden mehr oder weniger wohlbehalten die 8848 m erreichen. Trotz Verspätung des geschwächten Dougs erfüllt er schließlich auch ihm, der sich mit letzten Kräften nach oben kämpft, den Herzenswunsch des Gipfelfotos. Doch dieser Extratrip außerhalb des Zeitfensters wird beiden Bergsteigern beim Abstieg zum Verhängnis. Ein schlimmes Unwetter zieht auf und hindert beide am raschen Entkommen.

Auch die Gruppe, die den Rückweg schon eher angetreten hat, wird vom Sturm überrascht. Es beginnt ein Kampf um jeden Atemzug. Beißende Schneestürme und schwere Beine verwandeln die Sportler in lebende Tote.

Ohne zu viel vorweg nehmen zu wollen, geht besonders das Leiden von Rob Hall unter die Haut. Sowieso wird einem Bewusst, an welch seidenem Faden jedes dieser Leben unter solchen extremen Umständen hängt.

Ich habe im Kino durchweg gefroren und die Luft angehalten. Auch noch einige Zeit danach an frischer Luft und im Sonnenschein (nur ein Vorteil, wenn man schon so früh ins Kino geht), lag mir der Stoff noch schwer im Magen. Ich finde es auch immer besonders beklemmend, wenn im Abspann noch einmal Bezug zu den wirklichen Personen genommen wird. Warum muss so was immer nur auf einer wahren Begebenheit basieren?

„Everest“ ist auf jeden Fall zu empfehlen. Die Atmosphäre, die Kälte, die schwindenden Kräfte –  all das wird sehr realitätsnah wiedergegeben und zieht einen vollkommen in diese lebensfeindliche Welt. Definitiv nicht nur für Wanderer und Extremsportler geeignet!

eureanne

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2 Gedanken zu “Kinoreview: Everest

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