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Murphys Gesetz und der Kurzfilm der Katastrophen Teil 2

Wie versprochen berichte ich euch in diesem Beitrag über die Vorbereitungsphase unseres Filmdrehs.

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Die Brecht-Recht Sache

Wir Studenten, die wir nur wenig Erfahrung im Drehen eines Films, aber noch weniger im Verfassen eines Drehbuchs hatten, waren doch ganz zufrieden mit der Lösung, unseren Film auf dem Gedicht von Bertold Brecht „An die Nachgeborenen“ basieren zu lassen.

Text: Check.

Das Drehbuch war auch dementsprechend schnell verfasst. Wir mussten uns lediglich darüber einigen, wie wir die Strophen aufteilten und welche Bilder wir ihnen zuordneten. Wir steckten schon komplett in den Vorbereitungen auf den Dreh, sprich Drehorte besichtigen, Kostüm besorgen (da wir einen Teil der Inszenierung in den 40er Jahren und den anderen in der heutigen Zeit spielen lassen wollten). So am Rande des Seminars erwähnte dann unser Dozent, dass wir ja eventuell auch noch einmal ein Auge auf die Rechte legen müssten.

Zu unserem Unglück war der gute Brecht leider noch nicht lange genug von uns gegangen, sodass seine Erben die letzten acht Jahre seinen Nachlass verwalten dürfen und dabei auch keine zusätzlichen Auflagen und Verbote scheuen. Kurz gesagt: Hätten wir ein dadaistisches Theaterstück mit Ausschnitten aus Brechts Gedichten gepaart mit Marylin Manson Textzeilen auf die Bühne bringen wollen, wäre unsere Chance auf ein go relativ gering gewesen. Denn der Suhrkamp Verlag ist, was diese Sache angeht, recht unentspannt.

Aber da wir ja eine hilfsbedürftige, kleine Studentengruppe (ohne Geld für fette Rechte) sind, schien irgendwo ein kleiner Stempeldrücker Mitleid mit uns gehabt zu haben. Und so dürfen bzw. müssen wir nun den Text eins zu eins ohne Auslassung und Abwandlung übernehmen.

Schauspieler

Nächster Schritt: Schauspieler suchen. Halle ist nun leider nicht als die Hochburg der schauspielerischen Kultur verschrien, aber dennoch haben wir hier einige kleine Theater und vielleicht läuft ja auch irgendwo der eine oder andere Student umher, der in sich das große schauspielerische Talent, das wir für unseren Brecht-Epos benötigten, trägt.

Euphorisch verbreiteten wir unser Gesuch nach dem nächsten Brad Pitt in den Weiten des Internets und waren mehr als begeistert, als wir auch noch am gleichen Tag eine Anfrage eines ziemlich professionell wirkenden Mimen erhielten. Seine Mail war kurz und knapp mit zahlreichen Links zur eigenen Wiki-Seite, dem Show-Reel, ImDb und dem Profil auf einer Vermittlungsseite. Das machte natürlich erstmals heftig Eindruck und wir sahen uns schon in Hollywood.

Das Show-Reel des besagten Schauspielers wirkte auch recht gut, leider nur überwogen Action- und Schießszenen, weswegen wir natürlich noch eine Darbietung der rhetorischen Fähigkeiten benötigten, Casting genannt. (Immerhin sollte man bei Bertold Brecht schon mehr sagen können als „Deckung!“, „Scheiße!“, „Granate!“)

Aber leider schien unser Mime das nicht so zu sehen, denn er machte gleich deutlich klar, dass er für Castings NICHT zur Verfügung stehe, mit dem Verweis auf sein überaus geiles, aussagekräftiges Show-Reel, das für sich allein spräche, oder eben schieße. Im Klartext, der Herr wollte von der Stelle weg engagiert werden ohne uns jemals auch nur eine Zeile des Gedichts vorgesprochen zu haben. Tja, in Hollywood entscheidet halt der Schauspieler, ob er im Film ist oder nicht. Glücklicherweise nicht in Hallewood.

Die Castings liefen schleppend, doch wir hatten noch einmal das Glück, dass sich bei uns ein weiterer Schauspieler mit großem Erfahrungsschatz meldete. Sein Show-Reel war sehr überzeugend und auch passte der Herr optisch gut in unsere Vorstellungen. Er war sogar bereit, sich zu einem Meet und Greet (wir betitelten es ab jetzt lieber so, damit sich andere Diven nicht auf das Niveau der Castings herablassen mussten) zu treffen. Unser Mime trug uns vollkommen unvorbereitet den Text vor und wir waren sprachlos. Es war perfekt. Und da kam auch schnell der Zweifel.

Zu perfekt für eine studentische Inszenierung? War ein professioneller Schauspieler über unserem Niveau? Würden wir ihm gewachsen sein?

Nach einigen Tagen des hin und her sowohl auf unserer als auch auf seiner Seite, kam es schließlich zur gegenseitigen Zustimmung.

Wir hatten einen Schauspieler. Der war auch noch super locker drauf, denn für studentische Projekte umging er auch gern mal seine Agentur, denn die müssten ja schließlich nicht alles regeln. Easy peasy. Locker vom Hocker.

Der Vertrag

Nach einer Woche meldete sich unser Schauspieler nochmals. Wir sollten uns nun doch lieber an die Agentur wenden. Okay, gesagt getan. Mail an Agentur. Agentur möchte einen Vertrag. Ich habe noch nie einen Vertrag aufgesetzt. Google. Gut, Muster gefunden, angepasst, hundert Mal durchgelesen (wenn ich eins weiß, dann dass man juristische Dinge immer sehr, sehr oft lesen sollte). Vertrag an Agentur geschickt. Gewartet.

Leider nur war die Zuständige eine Woche, bis zum Tag, an dem unser Schauspieler anreist, selbst nicht erreichbar. Gar nicht. (Smartphone?!) Aus diesem Grund dümpelte der Vertrag dann auch eine Woche ungelesen sowohl im Postfach der Agenturdame als auch im Postfach unseres Schauspielers. Der allerdings sehr wohl erreichbar war. Er mochte nur keine Mails lesen. Und Verträge schon gar nicht, haben wir dann später herausgefunden.

Wir bereiteten alles so weit vor. Disposition, Drehgenehmigungen, Catering, Kostüme, Technik. Und so stand alsbald der erste Drehtag vor der Tür. Der Tag, an dem auch unser Schauspieler anreisen wollte. Wollte.

So saß ich diesen schönen Montagmorgen vor meinem Laptop, kümmerte mich um letzte Einzelheiten und verspeiste mein leckeres Müsli, als ich eine Nachricht von meinem Co-Regisseur erhielt mit den Worten: Der Schauspieler hat abgesagt.

Wie jetzt? Für heute?

Nein, komplett. Für alles.

Ah ja. Gut. Morgen drehen um acht geht klar?

Ja, in diesem Moment verließ mich erst einmal kurz der Glaube an die Menschheit.

Warum das alles?

Ich könnte diese Geschichte jetzt sehr lang und breit und überaus verärgert erzählen. Aber ich mach‘s kurz: Nach einem langen, sinnlosen Telefonat meines Kollegen mit unserem Schauspieler stellte sich heraus, dass er mit einigen Punkten im Vertrag nicht zufrieden war. (Was er aber erst über seine Agentur erfahren hat. Da er sich prinzipiell keine Veträge durchließt. Sondern anscheinend nur unterschreibt.) Und da war dann plötzlich noch dies und das, was auf einmal nicht passte. Das große Problem war nur, dass diese Feststellung ca. eine Woche zu spät kam.

Jedenfalls war es Montag und wir hatten keinen Schauspieler. Doch ich hatte gar nicht lange Zeit, Trübsal zu blasen, denn kurzerhand stellte sich mein Co-Regisseur persönlich zu Verfügung und wurde unser neues Talent der Stunde.

Und so drehen wir jetzt schon einige Tage und ich muss sagen: es läuft!

Natürlich läuft es nicht immer. Denn während des Drehs passieren ja meist auch so Sachen, die man leider im Vorhinein nicht so gut einplanen kann…

Was das allerdings ist, erzähle ich euch das nächste Mal, Kinder.

Eure Anne

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